Zeitreise Berlin-Ost Teil II

Im ersten Teil meiner Zeitreise Berlin – Ost ging es ja vom Bahnhof Berlin-Friedrichstrasse zum Fernsehturm. Jetzt im zweiten Teil, soll es vom Fernsehturm zurück zum Brandenburger Tor und dann weiter nach West-Berlin gehen. Da man nur von dort aus markante Punkte in Ost-Berlin sehen konnte.

Also auf zu zweiten Teil meines Rundgang durch Ost-Berlin Anfang der 80ziger Jahre.

Wenn man vom Fernsehturm Richtung Brandenburger Tor läuft, kommt man unweigerlich an der Neuen Wache vorbei.

Neue Wache

Die Neue Wache ist ein Baudenkmal, errichtet 1816 bis 1818 von Karl Friedrich Schinkel im Stil des Klassizismus als Wachgebäude für das Königliche Palais. Schon als Erinnerungsstätte der Befreiungskriege gedacht, wandelte sie sich, jeweils um- und wiederaufgebaut, zur Gedenkstätte für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie der NS- und SED-Diktatur. Seit 1993 beheimatet sie die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Über eine Rückkehr der programmatischen Statuen Bülows und Scharnhorsts, die bis 1950 neben der Neuen Wache standen, wird immer wieder diskutiert.

Soldat der NVA am Eingang Neue Wache

Ein Teil des Gebäude stürzte am 12. April 1950 ein. Schließlich wurde das Gebäude von 1957 bis 1960 unter der Leitung von Heinz Mehlan als Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus wiederhergestellt. Anlässlich des 20. Jahrestags der DDR im Jahr 1969 fügte Lothar Kwasnitzain der Raummitte einen prismenförmigen Glaskörper mit Ewiger Flamme hinzu.

Ewiger Flamme in der Neuen Wache

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 erfolgte eine weitere Umgestaltung der Neuen Wache. Im Innenraum wurden alle Elemente aus der DDR-Zeit entfernt und die Tessenowsche Gestaltung von 1931 weitgehend wiederhergestellt. Anstelle des Eichenlaubkranzes ließ Bundeskanzler Helmut Kohl jedoch eine stark vergrößerte Kopie der Plastik „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz aufstellen, was für eine heftige öffentliche Kontroverse sorgte. Die Einweihung der zur Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft umgewidmeten Neuen Wache fand am Volkstrauertag 1993 statt.

Vorbei am Wilhelm-von-Humboldt-Denkmal ging es weiter Richtung Brandenburger Tor.

Das Wilhelm-von-Humboldt-Denkmal links vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität erinnert an den preußischen Universalgelehrten Wilhelm von Humboldt (1767–1835). Geschaffen im Jahr 1882 von Paul Otto im Stil des Neobarock, gehört es zu den Meisterwerken der Berliner Bildhauerschule.

Wilhelm-von-Humboldt-Denkmal links vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität

Noch ein letzter Blick auf die Straße „Unter den Linden“ und dann geht es wieder zurück nach West-Berlin, da ein näheres herankommen an das Brandenburger Tor damals nicht möglich war, entsprechend abgesperrt und bewacht. Also wieder zurück zur Bahnhof Friedrichstraße und dann rüber nach West-Berlin.

Straße „Unter den Linden“ mit Blick auf das Brandenburger Tor

Bevor wir aber Ost-Berlin verlassen, noch ein paar Bilder die ich einfach mal umkommentiert einstellen möchte.

Wieder in West-Berlin angekommen, führte der erste Weg direkt zu den Aussichtsplattformen, von der man über die Mauer nach Ost-Berlin schauen konnte.

Auf dem folgenden Bild kann man den „Totesstreifen“ und die Spree als Grenze zwischen Ost- und West-Berlin sehen.

Grenze zwischen Ost- und West-Berlin

Die Berliner Mauer ging in die Geschichte ein als Symbol des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands. In der Nacht zum 13. August 1961 begann die DDR-Führung (Walter Ulbricht, der DDR-Staatsratsvorsitzende, SED-Parteiführer und Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates der DDR), mit der Abriegelung der Sektorengrenze und errichtete die Berliner Mauer, um den Flüchtlingsstrom von Osten in den Westen zu stoppen. Diese teilte die Stadt entlang ihrer Mitte und umschloss das gesamte Territorium West-Berlins.

Die Berliner Mauer mit einer von Gesamtlänge 156, 4 km bestand nach mehren Ausbaustufen im Jahr 1989 aus einem zwischen 15 und mehr als 150 Meter breiten Todesstreifen mit einer zwei bis drei Meter hohen „Hinterlandmauer“ oder einem „Hinterlandsperrzaun“. Es folgt in kurzer Entfernung ein gut zwei Meter hoher „Kontakt-Signalzaun“. Mindestens 140 Menschen verloren hier bis 1989 beim Versuch die Mauer zu passieren ihr Leben.

Berliner Mauer mit Totesstreifen

Die Marschallbrücke ist eine Brücke über die Spree, die die Luisenstraße mit der Wilhelmstraße verbindet. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Ersatz vorhergehender Spreequerungen errichtet und inzwischen mehrfach repariert und saniert. Die Marschallbrücke trägt ihren Namen nach dem Feldmarschall Blücher, der in den Befreiungskriegen erfolgreich agiert hatte und steht unter Denkmalschutz. Wegen der Nähe zur 1961 errichteten Berliner Mauer und des in diesem Bereich nicht sehr starken Verkehrs wurden jahrzehntelang keine weiteren Reparaturen oder Sanierungsarbeiten vorgenommen.

Der Fall der Mauer brachte einen enormen Anstieg der Verkehrsbelastung der Marschallbrücke. In den Jahren ab 1997 wurde deshalb eine Grundinstandsetzung unvermeidlich, bei der die Baufachleute gleichzeitig die noch vorhandenen Reste der Eisenfachwerkkonstruktion erhalten wollten.

Während meinen Nachforschungen zu dieser ehemaligen Grenzbrücke, bin ich auf folgenden Bericht der DDR-Grenzpolizei über den Fluchtversuch von Axel Hannemann gestolpert.

Zum versuchten Grenzdurchbruch im Abschnitt der 2. Kompanie der III. Grenzabteilung am 05.06.1962 um 17.30 Uhr 

Am 05.06.1962 gegen 17.15 Uhr versuchte eine männliche, jugendliche Person von der Marschallbrücke aus in Richtung Reichstagsufer schwimmend die Staatsgrenze nach Westberlin zu durchbrechen. Durch Abgabe von gezielten Schüssen der Grenzposten wurde der Grenzverletzer getroffen und versank. 

Sachverhalt: Gegen 17.15 Uhr sprang eine männliche Person von der Ostseite der Marschallbrücke in den Lastkahn Z 2 – 065 auf die Sandladung. Durch den Schiffsführer wurde der Jugendliche bemerkt und das Schiff unmittelbar unter der Marschallbrücke zum stehen gebracht. Die jugendliche Person versuchte, den Schiffer zu überreden, weiter zu fahren. Als er bemerkte, daß das Schiff zum stehen gebracht wird, sprang er ins Wasser. Durch den Schiffer konnte er jedoch wieder aus dem Wasser gezogen werden. Durch Rufen bzw. durch Zeichen versuchte der Schiffer, die Genossen vom AZKW oder unsere Genossen zu verständigen. Dabei gelang es dem Grenzverletzer sich loßzureißen und wieder ins Wasser zu springen. 

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Grenzverletzer ca. 10 m vor der Anlegestelle (siehe Skizze). Da mehrere Anrufe des Postenführers ergebnislos blieben, wurde durch den Postenführer ein Warnschuß und anschließend 3 Zielschüsse abgegeben. Zur gleichen zeit gab auch der Posten 2 Zielschüsse auf den Grenzverletzer ab. Durch das gezielte Feuer wurde der Grenzverletzer getroffen und versank im Kanal. 

Wer mehr darüber lesen möchte, hier der Link dazu.

Marshallbrücke, ehemalige Grenze zwischen Ost- und West-Berlin

Das sowjetische Ehrenmal mit der Statue eines Soldaten der Roten Armee wurde aufgrund eines Beschlusses des Kriegsrats der 1. Weißrussischen Front von den Bildhauern Lew Kerbel und Wladimir Zigal gemeinsam mit dem Architekten Nikolai Sergijewski entworfen und an der Kreuzung der Siegesallee mit der damaligen Charlottenburger Chaussee (heute: Straße des 17. Juni) errichtet. Es wurde als Riegel errichtet, quer zu der damals existierenden wilhelminischen Siegesallee (erbaut in den Jahren 1895 bis 1901). Dieses Ehrenmal ist das letzte auf dem Kampfweg der 1. Weißrussischen Front von Küstrin über Seelow bis Berlin. Am 11. November 1945 wurde das Ehrenmal mit einer Parade der alliierten Truppen eingeweiht.

Bis zum 22. Dezember 1990 waren Ehrenwachen der Sowjetarmee am Ehrenmal stationiert. Danach wurde die Anlage an die Stadt Berlin übergeben. Es existieren bilaterale Vereinbarungen zwischen Deutschland und der Russischen Föderation, gemäß denen sich Deutschland verpflichtet hat, diese und andere Kriegsgräberstätten zu erhalten.

Das sowjetische Ehrenmal

So, jetzt zum letzen Bild meiner Zeitreise Berlin – Ost. Hierbei handelt es sich, wie unschwer zu erkennen ist um das Brandenburger Tor.

Das Tor ist das bekannteste Berliner Wahrzeichen und ein deutsches Nationalsymbol, mit dem viele wichtige geschichtliche Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden sind. So wurde bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem das Ende der napoleonischen Herrschaft 1813–1815 mit dem Bauwerk verbunden. Bis zur Öffnung des Eisernen Vorhangs stand es unmittelbar an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin und symbolisierte so während des Kalten Krieges das Aufeinandertreffen von Warschauer Pakt und NATO an der weltpolitisch heikelsten Stelle ihres gemeinsamen Grenzverlaufes. Entsprechend wird das Brandenburger Tor seit 1990 auch als Symbol der Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas angesehen.

Im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 holten drei Männer auf dem Dach des Brandenburger Tores die Rote Fahne ein und hissten, kurz nach Mittag des 17. Juni 1953, die gemeinsame Fahne Schwarz-Rot-Gold der DDR und der Bundesrepublik. Einer der drei Männer, Wolfgang Panzer, bezahlte diese Aktion wahrscheinlich mit dem Leben und wurde nie mehr gesehen.

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Westen noch von Osten durchquert werden. Nur die DDR-Grenzsoldaten und die durch das Personal des Informationszentrums Brandenburger Tor zur Besucherplattform geführten Besuchergruppen (meist Staatsgäste in der DDR) konnten an das Bauwerk heran.

Abweichend vom üblichen Standard der Berliner Mauer war das Brandenburger Tor zum Westen hin durch eine niedrigere, aber besonders massive Panzermauer abgetrennt, die bis zum Mauerfall Bestand hatte.

Brandenburger Tor

So, dass soll es gewesen sein von meiner „Zeitreise Berlin-Ost der 80ziger Jahre“. Ich hoffe es hat euch gefallen und freue mich auf euer Feedback.

Es wird noch einen dritten Teil meiner Zeitreise geben, aber dann über West-Berlin, nur muss ich hierfür die Bilder erst digitalisieren und das kann noch etwas dauern.

Ach, fast hätte ich es vergessen, auch bei diesem Beitrag habe ich die Unterstützung von Wikipedia in Anspruch genommen und wie immer zum Vergrößern der Bilder einfach anklicken.



Kategorien:Bauwerke, Dies und Das, Fotografie, Landschaftsfotografie

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  1. Deine Fotos – und natürlich auch deine Texte dazu – sind unglaublich spannend! Danke, dass du deine privaten Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machst und dir so viel Mühe mit den Beiträgen gegeben hast. Ein wichtiges Zeitdokument, dass nicht vergisst, den Wahnsinn der Teilung offen zu legen!

    Gefällt 1 Person

  2. So fern … und doch noch so präsent.. spannender Beitrag in Wort u d Bild!!

    Durftest du den Wachsoldaten ungestraft fotografieren??

    Gefällt 1 Person

  3. Ein ganz großer Beitrag und du hast dir richtig viel Mühe gegeben. Da sitzt man schon mal eine Zeit am Bildschirm bis man diese Info zusammengetragen hat.
    Es hat sich aber gelohnt und dieser Beitrag wird für immer bleiben. Das ist eben auch ein Vorteil über solche Plattformen.
    Großes Lob für deine Mühe und die Fotos mit Geschichten
    LG Manni

    Gefällt 2 Personen

  4. Sehr interessant in Wort und Bild! Danke dafür, lieber Roland…
    Wie digitalisierst du deine Bilder? Hast du einen Negativ-Scanner zuhause?
    Liebe Grüße!

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    • Vielen lieben Dank Martha, freut mich, dass dir auch dieser Beitrag wieder gefallen hat.
      Zu deiner Frage zur Digitalisierung: Ich habe mich im Netz ein bißchen umgesehen und mich dann aber doch für das Fotofachgeschäft meines Vertrauens entschieden, da er die Bilder selbst digitalisiert. Er war zwar etwas teurer, aber dafür war ich mit der Qualität sehr zufrieden.
      Liebe Grüße,
      Roland

      Gefällt 1 Person

  5. Hallo Roland, wieder sehr interessant. Wenn ich die Fotos ganz genau ansehe, dann habe ich immer das Gefühl, dass dich die Stasi ganz unbemerkt „begleitet“ hat. Täusch ich mich da ? LG Wolfgang

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Wolfgang, erst mal Dankeschön, dass dir mein Beitrag wieder gefallen hat. Auf deine Frage, ob mich die Stasi überwacht hat, kann ich dir nur sagen, ich weiß es nicht. In Berlin denke ich eher nicht, vielleicht aber bei meinen „illegalen“ Ausflügen nach Dresden und Rostock.
      Liebe Grüße,
      Roland

      Gefällt 1 Person

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